Bürgermeister glänzte als Retter der leeren Stadtkasse in der Klein-Umstädter Bütt(Jo) Die Klein-Umstädter haben bei ihrer Fastnacht die Ruhe weg. Eine halbe Stunde vor Beginn der 17. Fastnachtssitzung waren die Stühle im Saal noch relativ gering ausgebucht. Aber welch Wunder, kurz vor Beginn der Sitzung strömten die Besuchermassen und plötzlich waren alle Stühle von einer überwiegend kostümierten Narrenschar besetzt.
Wieder saß Jörg Ratz, der Entertainer der Keyboardtasten, an seinem geliebten Instrument und Punkt 19.11 Uhr lud er die Gäste im Bürgerhaus zur ersten Schunkelrunde ein. Das war ein stimmungsvoller Einstieg und schon erschien der erste Programmpunkt auf der Bühne. Die beiden Moderatorinnen, Simone Sior und Sylvia Hoffmann durften die jüngste Tanzgruppe des Kerbvereins, die "Peanuts" ansagen. Als Cheerleaders machte der Nachwuchs seine Sache perfekt. Die Zuschauer zeigten sich begeistert und klatschten beim Hit "Heut is so a schöner Toag" ausgelassen den Takt mit.
Die Eltern waren im Urlaub und der Nachwuchs hatte Zuhause sturmfreie Bude. Jannik Eckhardt ist immer noch aufgrund seines Alters die Nachwuchshoffnung der Klein-Umstädter Fastnacht. Mittlerweile ist er aber schon sturmerprobt in der Bütt und Lampenfieber für ihn ein Fremdwort.
Jannik nutzte die Abwesenheit der Eltern natürlich sofort aus. Party bis der Arzt kommt war angesagt, oder wie in diesem Fall, bis die Eltern überraschend früher aus dem Urlaub zurückkehrten.
Eben noch waren sie auf dem Lufthansa Airport und wenig später landeten sie auf der Fastnachtsbühne im Bürgerhaus. Die flotte Stewardessen-Crew des Kleestädter Gymnastikvereins wirbelte in feschen Uniformen gekonnt über das Parkett. Natürlich mussten sie dem Publikum eine Zugabe gewähren.
Ein weiterer Höhepunkt kündigte sich vor der ersten Pause in der Klein-Umstädter Bütt an. Unter den Ehrengästen weilte nämlich auch Bürgermeister Joachim Ruppert und der gab an diesem Abend erstmals ein Gastspiel in der Bütt.
Der Bürgermeister erwies sich als exzellenter Finanzjongleur, der die Stadtkasse wieder in die Gewinnzone bringen will. Kommt ein säumiger Steuerzahler zum Rathaus um wegen seiner Steuerschulden um Gnade zu bitten, muss er erst einmal den Nacktscanner passieren, ob er nicht doch noch irgendwo einen Euro versteckt hat.
Viel Geld bringe bekanntlich die Hundesteuer und noch mehr die Steuer für Kampfhunde. Also was tun? Kurzerhand wird jeder Hund auf der Steuerkarte zum "Hund mit Biss" umfunktioniert auch wenn dem Dackel bereits das Gebiss fehlt. Egal, Hauptsache die Steuerkasse jubelt.
Groß-Umstadt sei bekanntlich die heimliche Kulturhauptstadt des Landkreises. Aber, Kultur kostet Geld. Also wird ein Kulturamtschor gegründet und Umstadt sucht ab sofort selbst das Supertalent und von jetzt an heißt es in Groß-Umstadt anstatt "DSDS" nunmehr "USDS" ("Umstadt sucht den Superstar").
Nach der Pause fetzten die "Independent Girls" in feschen Kostümen zu rockigen Rhythmen über die Bühne. Für den stürmischen Applaus bedankten sich die Girls mit einer Zugabe.
Witz auf Witz folgte jetzt bei Christoph Visone. Der Gast aus Eppertshausen sorgte mit seinen Gags aus "Malle" für wahre Lachsalven im Saal, auch wenn manchmal das drahtlose Mikrofon ab und zu Vulkanausbrüche in der Lautsprecheranlage auslöste. Ein Problem, das der Tontechniker an diesem Abend leider nicht ganz wegretuschieren konnte.
Nachdem Jörg Ratz das Auditorium mit dem Hit "Ich bin der König von Mallorca" auf der Begeisterungsskala wieder nach oben katapultiert hatte, folgte der Zug der Kleestädter Trauerweiber.
Das schwarz gekleidete Sextett vom benachbarten Gymnastikverein trat als "Priamsel-Chor" auf. Bei ihrem coolen Grabsteingesang rollten beim Publikum die Lachtränen wie ein Lavastrom.
Als "blauer Blitz vom Zillertal" stieg danach Dirk Eckhardt vom Kerbverein in die Bütt. Seine Erlebnisse als Skilehrer waren allererste Fastnachtssahne. Bei der wedelnden Damenwelt auf den Pisten war er jedenfalls heiß begehrt. Kein Wunder, denn der fesche Bezwinger aller Skipisten war keinem amourösen Abendteuer abgeneigt. Die Hauskapelle spielte dazu: "Ich bin so schön, ich bin so toll, ich bin der Anton aus Tirol!"
Bevor zur letzten Pause geläutet wurde, konnte die Narrenschar dem mitreißenden Gardetanz der feschen Mädels aus Dorndiel zujubeln.
Fesch sahen sie aus in ihren schmucken Kostümen und die Darbietung war durchaus fernsehreif.
Begleitet von Jörg Ratz sangen jetzt die "Scheppsinger", eine neu gegründete Gesangsgruppe des Kerbvereins Klein-Umstadt, ihre Lieder von der Waterkant. Dirk Eckhardt und sein achtköpfiger Frauenchor riss die Besucher förmlich von ihren Sitzen. Begeistert klatschten alle den Rhythmus mit, wie bei "Tür an Tür mit Alice". Den Hit von Howard Carpendale hatte der Chor umgetextet in "Im Bürgerhaus ist Fastnacht, da gehen wir alle hin". Toll auch der MitmachKnaller "Sieben Fässer Wein". In Klein-Umstadt wurde das zu einem Lied über die eigene Fastnacht umgetextet. Alle Lieder begleitete auf seinem Keyboard Jörg Ratz. Auch den Hit, den man schon am Anfang gehört hatte: "Heut is so a schöner Toag".
Sein Talent als Travestiestar stellte einmal mehr Gregor Koch unter Beweis. Als Meerjungfrau war er eine Wucht und seine Witze hat er im Laufe der Jahre doch sehr kultiviert. Auch wenn der eine oder andere Brüller dabei war, bewegten diese sich aber nicht mehr stark unterhalb der Gürtellinie. Ein insgesamt fescher Auftritt. Zudem feierte der Fastnachts-Recke an diesem Tag Geburtstag und durfte sich über ein Ständchen des Publikums freuen.
Mit den hübschen Damen aus Dorndiel kam jetzt der Broadway nach Klein-Umstadt. Nach dem legendären Song von Frank Sinatra "New York, New York" schwangen die Damen die roten Hüte und ließen reichlich netzbestrumpfte Beine sehen.
Was wäre eine Sitzung ohne Simone Sior in der Bütt. Natürlich gab sie auch an diesem Abend eine humoristische Einlage auf der Fastnachtsbühne. Als Urlauberin am Nordseestrand hatte sie viel erlebt und so gab es in der Bütt auch viel zu erzählen. Angefangen vom Bad mit Seehunden in der Nordseeaufzuchtstation, über FKK am Nordseestrand, bis hin zur Butterfahrt auf dem Kutter.
Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Männerballetts "Dancing Bulls". Die gestandenen Mannsbilder haben ihre Auftritte mittelerweile choreografisch ausgebaut. Nur rumhüpfen und dann auch noch viel nacktes Fleisch präsentieren, das war einmal, das ist jetzt out.
Leiterin Tamara Hofmann ließ ihre Jungs als fesche Marine Offiziere auf der Bühne erscheinen. Die Darbietung lief auf hohem Niveau ab und tänzerisch perfekt. Auch wenn einige enthemmte Damen im Publikum mehrfach "Ausziehn! Ausziehn!" in den Saal riefen. Die Jungs blieben standhaft. Nur die Offiziersjacke opferte man, aber das Feinripp-Unterhemd behielten die Jungs an. Stürmischer Applaus belohnte den Auftritt.
Noch einmal kamen jetzt alle Akteure auf die Bühne und jubelten dem begeisterten Auditorium zu. Eine Polonaise durch den Saal ließ die unterhaltsame und vergnügliche Show allmählich ausklingen.
Wer will kann sich schon jetzt den Termin für das nächste Jahr vormerken. Am 12. Februar 2011 wird zur nächsten Fremdensitzung des Kerbvereins eingeladen. Es lohnt sich schon jetzt zu reservieren, auch wenn es keinen Frühbucher Rabatt gibt.
Bild und Text: Johmann
Anhang: odenwaelder_bote_2010-01-26.pdf
Odenwälder Bote
26.01.2010