Pressestimmen:
Mundstuhl (13.10.2007)
Da helfen nur noch Nervenärzte
Comedy: Aus dem Abseits der Gesellschaft: Das Duo Mundstuhl mit seinem Programm „Höchststrafe“ in Klein-Umstadt

KLEIN-UMSTADT. Es ist reine Nervensache, das Comedy-Duo Mundstuhl aus Frankfurt zu ertragen. Und es könnte für manch einen im Publikum eine Höchststrafe sein, den derben Witzen zu folgen, eingepfercht in ein rasantes, zweistündiges Programm ohne Pause, das ebenso mit „Höchststrafe“ titelt. Dementsprechend treten Ande Werner und Lars Niedereichholz am Samstag im Bürgerhaus Klein-Umstadt gleich als Nervenärzte ins Rampenlicht, im Hintergrund Gebäudeumrisse einer Nervenheilanstalt, die die nächsten zwei Stunden einige Insassen ausspucken wird.

Nach zehn Jahren erfolgreicher Comedy präsentieren die Komiker nun Auszüge ihrer neuen CD, die seit September auf dem Markt ist. Dazu zählen erneut die Vorstadtproleten Dragan und Alder. Das Publikum tobt, wenn die beiden in bester „Kanak-Sprak“ sich ihre grammatikalischen Wunderwerke zur gegenseitigen Begrüßung wie „He, du Aschlöcher“ um die Ohren hauen. Und die beiden freuen sich: Endlich haben sie ihren „voll krassen, ultrakorreggden Hausschuhabschluss“ geschafft.

Direkt aus der Heilanstalt rast Andy (Niedereichholz) auf die Bühne, um ständig ausrastend von seiner „elefantistischen“ Gattin zu erzählen, die bei einer Wassergeburt im Bodensee einen Tsunami auch in der Schweiz und Österreich auslösen würde. Die Messlatte des guten Geschmacks wird gar nicht erst ausgepackt. Und so wundert es nicht, dass die beiden Heather McCartney mit ihren Protesten eins über die Rübe geben wollen. Auch singen sie als debiles Duo „No Pressure“ aus der Friedensbewegung gegen den Rassismus an, mit ihrem Integrationshit „Wir sind nett zu dunkelhäutigen Menschen“. Nett anzuhören sind auch Peggy und Sandy, zwei asoziale Damen aus dem sächsischen Plattenbau. Endlich hat Peggys Sohn echte Freunde, mit festem Schuhwerk. Diese schenkten ihm sogar eine Tätowierung von „Kiss“, bei der nur noch das „K“ und das „I“ fehlt.

Ohne Pause toben die Komiker in skurrilem Outfit über die Bühne, stampfen Figuren aus dem Boden, die gesellschaftlich im Abseits stehen, und zeichnen so ein Bild der dumpfen, bierseligen deutschen Gesellschaft. Knapp 300 Zuschauer sind begeistert. Ihre Helden haben es nicht leicht. Oma und Opa sind Geschwister, Onkel Herbert ist der Vater. Er ist taubstumm, die Mutter strunzdumm, die Tante die Schwester. Wen wundert’s, wenn die beiden Comedians ähnliche Familienstrukturen in Klein-Umstadt vermuten. Mit dem Mitmach-Lied, „Inzest lalalala“, bei dem alle die Hände solidarisch in der Luft wiegen, verbünden sie sich glanzvoll mit den Dorfbewohnern. Da helfen nur noch Nervenärzte.

Das Duo Mundstuhl kommt am 11. Januar 2008 in die Aula der Hochschule Dieburg, am 12. Januar in die Jahnturnhalle GroĂź-Gerau. Im Internet: www.mundstuhl.de.

Monika Wick

Originalbericht

Darmstädter Echo
15.10.2007

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